Unser heutiges Leben mit seinem Tempo, dem gefühlt immer rascher notwendigem sich-einstellen-müssen auch auf Unvorhersehbares, fordert sein Tribut. Wir sind immer gestresster und das merken wir physisch und psychisch. Ein gesundes Stressmanagement inklusive Entspannungstraining, viel Bewegung, lebendige und hochwertige Nahrung lässt uns wieder zur Ruhe finden. Aber wie?

Was ist denn eigentlich Entspannung und warum ist sie so wichtig für uns?

Entspannung bedeutet für mich, einfach ausgedrückt, im Gleichgewicht zu sein. Wenn dies der Fall ist, wird ein großes Wohlgefühl ausgelöst. Wir spüren also in der Regel sehr gut, wann Körper und Geist ausgeglichen sind. Ein regelmäßiges Entspannungstraining wiederum hilft uns, unter anderem körperliche Verspannungen zu lösen und unnötige geistig-seelische Spannungen abzubauen. Mehr innerer Frieden, Heiterkeit und Gelassenheit entwickeln sich. Und: unsere Gesundheit profitiert. Versprochen! Das ist schon lange wissenschaftlich erwiesen. Dafür müssen wir unseren Parasympathikus stärken, also den Teil des Nervensystems, der für Ruhe und Regeneration zuständig ist. Dieser Teil des vegetativen Nervensystems befindet sich weitgehend nicht unter unserer bewussten Kontrolle. Deswegen ist es wichtig, über einen längeren Zeitraum ein regelmäßiges und damit ein tägliches Training durchzuführen. Ansonsten ist es zwar ganz „nett“, sich ab und an ein wenig Entspannung und „Wellness“ zu gönnen. Doch über den Moment hinaus hat es, sporadisch ausgeführt, jedoch keinen Nutzen.

Setze Prioritäten; kümmere dich um das, was JETZT dran ist.

Der Weg zu mehr Entspannung

Es gibt bekanntermaßen eine Fülle verschiedenster Entspannungsmethoden. Und das ist auch sehr gut. So kann sich jeder das aussuchen, was am besten zu ihm passt. Für den einen mag es Achtsamkeitsmeditation sein, für einen anderen Progressive Muskelentspannung (PME) und für einen dritten wiederum das gute alte Autogene Training. Um die für sich beste Methode zu finden, müssen Sie vielleicht erst einmal ein bisschen ausprobieren. Erfahrungsgemäß kommen sehr aktive Leute gut mit der PME zurecht. Wundern Sie sich nicht, auch wenn Sie erst einmal skeptisch sind, wie entspannend und bereichernd imaginative Techniken (z.B. Phantasiereisen) wirken können. Also: unbedingt ausprobieren und offen für etwas sein, was spontan erst einmal keine Begeisterungssprünge auslöst.

Und noch ein Tipp: Schreibe Sie einmal auf, wobei Sie sich üblicherweise gut erholen oder entspannen können. Das können gerade auch die kleinen Dinge sein: z.B. der bewusst wahrgenommene Duft des Lieblingstees, während Sie die wohlig warme Tasse in Ihren Händen halten.

Entspannungsmethode gefunden, und nun?

Erst einmal: Fassen Sie den Entschluss, ab jetzt für einen bestimmten Zeitraum (z.B. 4 Wochen) täglich einige Zeit (z.B. 10 oder  20 Minuten) sich der regelmäßigen Entspannung zu widmen. Treffen Sie eine Entscheidung! Wie eine Klientin von mir neulich sagte: „Das ist ganz wichtig; dass man sich selbst wirklich so wichtig nimmt. Dass man sich erlaubt, dass es jetzt mal nur um einen selbst geht.“

Und dann legen Sie los: Reserviere Sie zu einer für Sie passenden Tageszeit einen Zeitraum, in der Sie sich ganz der Entspannung widmen. Sorgen Sie für Ruhe und dafür, dass Sie nicht gestört werden. Achten Sie darauf, dass Sie sich auch im Außen wohl fühlen können. Also vorher vielleicht noch einmal frische Luft hereinlassen oder für eine gewisse Ordnung im Raum sorgen. Und dann legen Sie los! Wenn Sie merken, dass Sie Schwierigkeiten haben, bei Ihrem Vorhaben zu bleiben: Machen Sie vielleicht erst einmal einen Kursus. Krankenkassen bezuschussen diese oft im Rahmen der Prävention. Fragen Sie einfach nach.

Außerdem empfehle ich, möglichst jeden Tag einen Punkt von der oben angesprochenen Liste Ihrer ganz persönlichen Entspannungsaktivitäten ganz bewusst in den Alltag einzubauen. Und sorgen Sie für genügend Schlaf.

Abschalten in jedem Moment

Mein Vorschlag: Sie suchen sich eine ruhige, angenehme Umgebung, lassen kurz alle Muskeln locker und atmen erst einmal für mindestens fünf bis zehn Minuten in den Bauch. Atmen Sie so, dass sich beim Einatmen Ihr Bauch hebt und beim Ausatmen senkt. Vielleicht mögen Sie eine Hand oder auch beide Hände dabei auf den Bauch legen. Achten Sie auf eine laaaanges und vollständiges Ausatmen. Die Muskelentspannung und die tiefe Bauchatmung sorgen dafür, dass sich unser Stresszentrum im Gehirn (z.B. die Amygdala) erst einmal wieder „beruhigt“. Dafür müssen die entsprechenden Impulse aus der Körperperipherie im Zentrum ankommen, und das braucht halt seine Zeit. Also bitte etwas Geduld.
Und dann praktizieren Sie Ihre bevorzugte Entspannungsmethode. Je häufiger Sie üben und die täglichen Erholungsmomente bewusst in Ihren Alltag einbauen, umso weniger intensiv werden Sie „hochfahren“ und umso schneller gelingt es sich, wieder ins Gleichgewicht zu holen. Es ist wirklich sekundär, welche Methode Sie praktizieren. Tatsächlich wichtig ist nur eines: Nämlich, dass Sie es tut!

Gastbeitrag: Doreen Kruse, Psychologische Psychotherapeutin
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