Gesund abnehmen geht auch ohne Einschränkungen und Heißhungerattacken. Das glauben Sie nicht? Mit der sogenannten „flexiblen Kontrolle“ können Sie alles essen und genießen. Ich zeige Ihnen, wie Sie in Zukunft schlemmen können, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.

Wer abnehmen möchte, schränkt als allererstes die Ernährung ein und entschließt sich meist radikal etwas zu verändern. Dabei kommen Sätze auf wie: „Ab morgen mache ich Diät und dann esse ich nur noch Obst und Gemüse“ oder “ Ab jetzt esse ich keine Schokolade mehr“. Wir teilen die Lebensmittel in „gut“ und „böse“ ein und streichen bestimmte Lebensmittel oder Inhaltsstoffe vom Speiseplan. Damit beginnt eine einseitige und freudlose Phase.

Sicher kennen Sie das auch: Es ist Silvester und die Korken knallen. Noch während der Feier, spätestens aber nach dem Aufwachen, haben Sie die ersten Pläne und Vorsätze fürs neue Jahr geschmiedet: „Ich trinke nie mehr Alkohol“, „Ich höre auf mit Rauchen“ oder „Ich gehe jeden Tag 30 Minuten Joggen“. Insbesondere auch bei den meisten Crash-Diäten gibt es rigide und starre Regeln sowie Verbote. Die Lebensmittelauswahl und Mengen sind sehr einseitig und eingeschränkt. Die Lebensmittel und einige Inhaltstsoffe werden in „Erlaubte“ und „Verbotene“ eingeteilt. Das führt dazu, dass wir eine Weile bestimmte Lebensmittel, die wir aber so gern mögen, gar nicht essen dürfen. Die Gedanken kreisen dann nur noch ums die verbotenen Lieblingsspeisen, den Hunger und das Essen. Bei diesem gezügelten Essverhalten kämpfen Sie ständig gegen Hunger, Sättigung, Lust und Appetit, also immer gegen den eigenen Körper und gegen sich selbst.

Misserfolg ist vorprogrammiert

Was meinen Sie? Wie lange können Sie ohne Ihren Lieblingsspeisen, Schokolade oder Kohlenhydrate leben? Sicher nicht für immer. Das klappt am Anfang ganz gut und neue Lebensweise wird drei oder vier Wochen durchgehalten. Kommen dann Stress, Langeweile, schlechtes Wetter oder der Kuchen der Kollegin dazwischen, lässt die Euphorie nach und der Vorsatz oder die strenge Ernährungsregel lösen sich in Luft auf. Dann kommt der Punkt, an dem Sie zu den verbotenen Dingen greifen, weil Sie das Verbieten nicht mehr aushalten oder sich zu sehr unter Druck gesetzt fühlen, täglich Sport zu machen. Bei dem ersten Bissen oder beim Sitzenbleiben auf der Couch, kommt das Gefühl, dass Sie versagt und es wieder nicht geschafft haben. Sie schmeißen, verärgert über Ihr Versagen, alle Diätpläne und Vorsätze über Board und denken sich, jetzt ist es auch egal. Alte Gewohnheiten schleichen sich ein und Sie befinden sich in der Situation vom Anfang. Bis dann eines Tages die nächste Diät oder der nächste Vorsatz anklopfen. Der Versuch das Körpergewicht mittels rigider Kontrolle zu reduzieren bzw. zu halten, ist also eher mit einem Misserfolg statt Erfolg verbunden.

Schluss damit! Vergessen Sie alle Diäten, starren Regeln und Verbote! Werden Sie flexibel und erlauben Sie sich Alles!

Die Lösung: Die flexible Kontrolle

Die flexible Kontrolle beeinflusst das Essverhalten ganz bewusst. Sie ist im Gegensatz zu der rigiden Kontrolle nicht zu starr und engstirnig. Bei diesem flexiblen Essverhalten gibt es keine Einschränkungen und Verbote. Alle Lebensmittel können genossen werden, ohne dass es eine Einteilung in „Verbotene“ und „Erlaubte“ Lebensmittel gibt. Werden Ihre Lieblingsspeisen von Ihnen fest eingeplant, entsteht auch kein schlechtes Gewissen beim Genießen. Zudem können Sie ganz flexibel Ihre Aktivitäten für einen gesunden Lebensstil planen und sich nicht unter Druck damit setzen. So besteht eine gute Basis, das Gewicht zu reduzieren und zu halten. Der Körper und Geist vermisst die geliebten Speisen nicht, da sie ja mit eingeplant und gegessen werden können. Dadurch gibt es kein starkes Verlangen mehr und der Heißhunger hat keine Chance.

Flexible Kontrolle in der Praxis

Wenn Sie zum Beispiel täglich eine Tafel Schokolade essen und das ändern möchten, könnten Sie sich Folgendes vornehmen: „In der nächsten Woche esse ich nur noch insgesamt zwei Tafeln Schokolade. Diese teile ich mir in einzelene Stücke für den täglichen Genuss ein.“, statt zu sagen „Ich esse keine Schokolade mehr“. So haben Sie Ihren Schokoladenkonsum eingeschränkt und können trotzdem die Schokolade genießen.

Wichtig ist dabei, dass Sie sich Verhaltensspielräume schaffen, die Sie wenn möglich mit weniger oder kalorienarmen Speisen kompensiert. So können Sie den Moment genießen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Wenn Sie wissen, dass Sie zum Kaffeetrinken mit Kuchen eingeladen werden, abends ins Kino oder ins Restaurant gehen, können Sie vorher oder nachher dafür nur eine kleine gemüsereiche Mahlzeit einplanen. Eine gewisse Planung ist da besonders ausschlaggebend. Auch Bewegung ist ein geeigneter Ausgleich. Wenn Sie mal spontan die Pizza am Abend bestellt haben, könnten Sie das am nächsten Tag mit einer Laufrunde im Park oder einem Besuch im Fitness-Studio ausbalancieren.

Entscheidend ist dabei, dass es sich dabei die Waage hält. Wenn Sie mehr „sündigen“ als Sie dafür Ausgleich finden, hält es sich nicht in Balance und Ihr Gewicht können Sie nicht problemlos reduzieren oder halten.

Machen Sie den Test und finden Sie heraus, ob Sie ein rigides oder flexibles Essverhalten haben:

1. Stellen Sie sich vor: Es ist Silvester und Sie haben ein Vorsatz. Wie könnte er lauten?
A Ich trinke nie mehr Alkohol.
B Ich trinke nur noch 2 Gläser alkoholische Getränke am Wochenende.

2. Es wird langsam wärmer und Sie probieren Kleidung vom Vorjahr. Sie stellen fest, dass Ihr Lieblingssommerkleid nicht mehr passt. Welcher Satz passt eher zu Ihnen?
A Ab heute esse ich nichts mehr, außer Salat und Obst.
B Ich werde mich jetzt zweimal in der Woche ca. 30 Minuten bewegen und meine Ernährung umstellen.

3. Sie haben sich vorgenommen, nie mehr Schokolade zu essen. Nach drei Wochen haben Sie so einen großen Appetit darauf und geben dem Verlangen nach. Sie verspeisen gleich eine ganze Tafel Schokolade. Was kommt Ihnen in die Gedanken nach der Attacke?
A Ach, nun habe ich schon wieder versagt und schaffe es einfach nicht Schokolade mir zu verbieten. Jetzt ist es auch egal, dann esse ich gleich noch ein Stück Schokolade.
B Mmh, das war lecker. Gut eine ganze Tafel war etwas viel auf einmal, aber die Lust war groß. Ich werde wohl in Zukunft mehr Schokolade in den Speiseplan einbauen, damit nicht wieder so eine Attacke entsteht und mache mehr Sport für den Ausgleich.

4. Sie sind ganz spontan zum Kuchenessen von Ihrer beste Freundin eingeladen. Was denken Sie?
A Toll, jetzt habe ich seit Wochen auf meinen geliebten Kuchen verzichtet und jetzt kommt die Einladung. Wie schaffe ich das bloß nur ein kleines Stück zu essen? Danach habe ich bestimmt wieder so ein schlechtes Gewissen. Aber es ist meine beste Freundin…
B Ach schön, ich freue mich. Die Kuchen sind die Besten die ich kenne. Dann esse ich halt am Abend nur einen Salat und lege morgen eine Sporteinheit ein. Dann kann ich den Kuchen so richtig genießen und gönne mir evtl. noch ein zweites Stück, das ganz ohne schlechtes Gewissen.

Auflösung:
Wenn Sie mehr A angekreuzt haben, ist Ihr Essverhalten eher starr und rigide. Sie sollten sich mehr Freiräume schaffen und die rigiden Vorsätze zu flexiblen Regeln verändern. Versuchen Sie flexibler und ohne schlechtes Gewissen zu essen. Gönnen Sie sich auch Ihre Lieblingsspeisen und verbieten Sie sich nichts.

Haben Sie hauptsächlich B angekreuzt ist Ihr Essverhalten flexibel. Sie essen auch mal mehr und gerne Ihre Lieblingslebensmittel, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Um das zu kompensieren planen Sie zu anderen Mahlzeiten etwas weniger ein und treiben zusätzlich Sport. Super weiter so. Aber passen Sie auf, dass Sie die Balance beibehalten.

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Bildquelle: Misha Vetter, www.mishavetter.de