Protein-Pralinen, zuckerfreier Kuchen oder Schokolade mit Superfoods – da habe ich ehrlich gesagt keinen Appetit  drauf. Kann ich nicht einfach ganz normale Süßigkeiten essen, so wie ich es schon immer getan habe? Ich denke „gesunde“ Süßigkeiten müssen nicht sein. Ich kann alles achtsam genießen und diese ganz bewusst essen. Wie das geht zeige ich Ihnen in diesem Artikel.

Mit mehr Achtsamkeit und Bewusstsein merken Sie was Ihr Körper zu Ihnen sagt und was er benötigt. So können Sie zwischen Hunger und Langeweile unterscheiden, die gesunde Sättigung erfahren und das wählen was Ihnen gut tut. Genießen Sie den Augenblick und das mit voller Aufmerksamkeit. Heutzutage sind wir extrem vielen Außenreizen ausgesetzt. In der Werbung, der Duft der Bäckerei, die Bilder auf Verpackungen und im Internet, überall werden wir zum Essen verführt. Und meist werden da ungesunde, fettreiche und zuckerhaltige Produkte beworben. Durch diese Reize werden wir zu Dingen verführt, die wir eigentlich gar nicht brauchen bzw. der Körper nicht nötig hat. Gehen wir regelmäßig diesen Verführungen nach, werden diese zur Gewohnheit und übernehmen ganz unbewusst Regie über unsere Essvorlieben. Wir hören nicht mehr auf unseren Körper sondern essen nur noch Dinge, wovon denen wir denken, dass wir sie brauchen. Psychologen unterscheiden zwischen Lebensmittel die „summen“ und der Körper braucht und wünscht. Und Lebensmittel die „winken“ die in der Werbung angepriesen werden. Essen wir gezielt „summende“ Produkte, bekommen wir ein wertschätzendes und bedürfnisorientiertes Essverhalten.

Essen ohne Ablenkung

Zudem sind wir viel unterwegs, essen im Stehen, im Auto oder vor dem Fernseher. Mit dieser Ablenkung konzentrieren wir uns nicht mehr auf das Essen. Der Genuss und ein bewusstes Essverhalten bleiben auf der Strecke. Wir spüren dabei nicht mehr richtig wann wir genau satt sind und verlernen unser natürliches Sättigungsgefühl. Wir leben in einem Schlaraffenland und haben zu jeder Tageszeit Zugang zum Essen. So essen wir häufig zwischendurch, unregelmäßig und immer wenn etwas zu essen da steht. So verlernen wir auch unser Hungergefühl, da wir durch das Snacking gar keinen Hunger mehr spüren.

Doch wir müssen nicht jeder Lust und Verführung nachgehen. Um eigene Bedürfnisse, den Hunger und die Sättigung wahrzunehmen, sollte eine positive Aufmerksamkeit sich selbst gegenüber erlernt werden. Mit Meditationen, Body-Scan, Achtsamkeitsübungen mit Lebensmitteln und Zentrierung auf den Atem, können wir mehr Achtsamkeit für uns erlangen.

Aber was bedeutet mit Genuss zu essen?

Über unsere fünf Sinne nehmen wir das tägliche Essen und Trinken unterschiedlich wahr. Dadurch entstehen der Appetit und die Lust am Essen. Ohne diese Sinne hätten wir keinen Spaß an einem knackigen bunten Salat oder würden für die Gäste den Tisch nicht dekorativ decken. Eine Karotte schmeckt besser, wenn sie knackig ist. Auch das Wasser läuft uns im Mund zusammen, wenn wir den Geruch von angerösteten Nüssen riechen und den Duft von frisch gemahlenem Kardamom wahrnehmen. Ohne Gewürze und Kräuter würden unsere Speisen lasch und einseitig ohne Pepp schmecken.

Genussvoll achtsam essen bringt uns ein positives Gefühl, dass der Seele gut tut und uns zufrieden stimmt. Unsere Sinne sind dafür zuständig, den wahren Geschmack zu erkennen. Mit mehr Genuss und Achtsamkeit steigt der Anspruch an die Qualität der Lebensmittel. Wir essen kontrollierter, bewusster, langsamer und automatisch weniger. Wer mit frischen Zutaten kocht, die Speisen aromatisch zubereitet und sich auf das Essen konzentriert wird bemerken, dass sich Genuss nicht mit der konsumierten Menge steigert. Die Sättigungsgefühle werden schneller erkannt und dadurch weniger Kalorien verzehrt. Genussvoll essen kann das ganze Essverhalten und die damit verbundenen Probleme verändern.

Praktische Tipps für mehr Achtsamkeit im Essensalltag:

  • Beobachten Sie Ihr Essverhalten und erkennen Sie welche Einflüsse Ihre Gewohnheiten haben und welche Sie nun ändern können.
  • Planen Sie täglich fünf bis zehn Minuten für eine Entspannungs-, Atem- oder Achtsamkeitsübung ein.
  • Planen Sie sich zu einem festen Zeitpunkt am Tag etwas Süßes ein. Genießen Sie zu dieser Zeit das Extra mit der vollsten Aufmerksamkeit, ohne Ablenkung und nebenher.
  • Setzen Sie sich hin und schnuppern Sie erst einmal an dem Lebkuchen, den Keks oder dem Stück Schokolade. Essen Sie das Stück ganz langsam auf. Bissen für Bissen. Schokolade kann länger im Mund schmelzen. Essen Sie sich nicht an Süßigkeiten oder fettreichen Lebensmitteln satt, sondern sehen Sie das als besonderes Extras an.
  • Wenn Sie auf der Arbeit oder unterwegs von Süßigkeiten oder Backwaren verführt werden, dann sagen Sie NEIN DANKE, denn Ihr Extra haben Sie schon zu einem anderen Zeitpunkt eingeplant. Das Ablehnen fällt Ihnen leichter, wenn Sie wissen dass Sie noch in den Genuss von etwas Süßem kommen.
  • Haben Sie beim Essen von Ihrem Extra kein schlechtes Gewissen und verbieten Sie sich die Süßigkeiten nicht.
  • Packen Sie sich in eine Dose sieben Portionen Süßigkeiten. Damit können Sie besser planen und daraus die ganze Woche naschen.
  • Schnuppern Sie zwischendurch an Kräutern und Gewürzen, nehmen Sie ein Stück Karotte in den Mund und kauen Sie länger darauf. Spüren Sie dabei die Süße auf der Zunge. Lassen Sie Ihren Blick auf das Salatblatt oder die Kräuter fallen und betrachten Sie die Form, Farbe und die Struktur des Blattes. So kann die Entspannung beginnen bevor es mit dem Genießen losgeht.
  • Essen Sie ohne Ablenkung und langsam, kauen Sie gut und machen Sie auch mal Pausen zwischendurch.
  • Bleiben Sie flexibel: Ist eine Einladung zum Kaffee und Kuchen oder ins Restaurant am Abend angesagt, dann halten Sie sich zum Mittag und zwischendurch zurück und essen Sie etwas Leichtes und Vitaminreiches. So brauchen Sie kein schlechtes Gewissen haben.